Von Vulkanen, Schwarzen Straenden und Erdbeben: Reisen auf Big Island

October 18th, 2006

Das war ein ereignisreiches Wochenende auf Big Island! Von einem tollen Erlebnis ins naechste, habe quasi ne Weltreise gemacht - auf ner Insel die gerade mal halb so gross ist wie Hessen und trotzdem alles beherbergt, was man sich so vorstellen kann. Seit gestern im Auge der Oeffentlichkeit gabs dort aber nur eine Sache: die staerksten Erdbeben auf der Insel seit ueber 20 Jahren, direkt vor der Westkueste Hawaiis, bei Kailua-Kona am staerksten, dem Flecken Land, auf dem ich mit meinen Freunden einen Tag zuvor noch in einem Hostel uebernachtet und zu Abend gegessen hatte.
Ist zum Glueck alles nicht so wild gewesen, keiner war zu Schaden gekommen, kaum ein Haus war eingestuerzt, es gab auch nur ein paar Risse in den Strassen und das aller wichtigste, es gab auch keinen Tsunami. Da haben die Leute hier naemlich unheimlichen Schiss vor - auf Oahu (der Insel auf der Honolulu liegt, auf der ich wohne) sollen sie wohl teilweise in die Berge gefluechtet sein. Mal abgesehen von all den Auswirkungen der Beben (mit Staerken ueber 6.5) hab ich, als es dann tatsaechlich so weit war, kaum realisiert was um mich herum passierte. 07:07 am (offizielle Startzeit des groessten Bebens) sass/lag ich gerade im Beifahrersitz unseres bereits zweite Tage lang gemieteten SUVs und habe versucht zu schlafen. Ich war gerade erst wieder nach nem kurzen Sonnenaufgangschauen mit Torsten und Kirsten zum Platz, wo unser Auto stand, zurueck gegangen, um mich noch kurz auszuruhen, bevor uns die anderen Freunde, die im Hostel geschlafen hatten, abholen sollten. Als ich nach kurzer Ruhepause wieder aufgewacht war, hab ich nur gespuert, dass unser Auto ziemlich heftig wackelte. Mein erster Gedanke war (witziger Weise), dass sich die beiden anderen (doofer und komischer Weise) gerade hinter mir im Auto vergnuegten. Als mich die beiden dann aber fragten, was los sei, weshalb ich denn das Auto zum Wackeln bringe wuerde, haben wir uns dann gemeinsam gewundert (ohne jede Hektik), was wohl los sei, sind dann aber recht bald uebereingekommen, dass wohl entweder jemand recht heftig am Auto geruettelt hatte (da war aber niemand;-)) oder es einfach egal war. Wir waren ja noch muede - haben dann auch noch nen Moment weiter geschlafen. Erst als die anderen dann kamen und ich zum Aufwachen das Radio ein wenig angemacht hatte, wurde mir klar, was gerade geschehen war: starke Erdbeben, die Hawaii fuer ein paar Stunden dem Chaos ueberlassen sollten. So wurde uns ueber die Stimmen der Radiosprecher vom Goveneur Hawaiis nahe gelegt, lieber nicht die Highways zu benutzen und vorsichtshalber dort zu bleiben, wo wir waren. Fuer Turisten natuerlich die groesste aller Qualen. Daher hatten wir uns auch folgerichtig sofort auf den kuerzesten Weg zu den Akaka Falls (eines unserer vielen Reiseziele), unserem naechsten Ziel auf einer langen Reise, gemacht.
Nun aber mal von vorn. Wie kams zu der Reise und was haben wir eigentlich gemacht? Im Grunde stand schon lange fest, dass wir in dieser Konstellation (die Hollaender, die Norwegian Girls und Torsten und ich) einen Ausflug nach Big Island machen wuerden. Ich glaube, es war in unserer zweiten Woche hier, als mich Oivind gefragt hatte, ob wir einen Ausflug nach Hawaii machen wuerden und ob er sich dann uns anschliessen koenne. Damit hatte er den Stein ins Rollen gebracht: anschliessend kamen naemlich die Girls mit Ruud und Kirsten angedackelt, um es Oivind nach zu machen. Was damals noch als Ausflug bezeichnet wurde, ist uebers Wochenende deutlich zur Reise aufgestiegen. Bei so vielen Dingen, die wir gesehen haben, und so unglaublich viel Geld, das wir fuer gerade 2 1/2 Tage ausgegeben haben, ist ne Verniedlichung (wie in “Ausflug”) einfach nicht mehr angebracht (jedenfalls nicht vor meinem schlechten Gewissen). Also wo hat uns unsere Reise denn am Ende eigentlich hingefuehrt. Auch hier wieder - wie im letzten Blogeintrag - eine Karte:

Unsere Reisestrecke auf Big Island

Die rote Linie markiert unsere Autofahrten, die durch kleinen und grossen, schwarzen Punkten unterbrochen werden. Die grosse stehen fuer Stops mit Uebernachtung, die kleinen fuer Stops ohne. Die blaue Linie zeigt (wirklich nur ungefaehr) die Fluglinie des Hubschraubers (ja, ich bin Hubschrabschrab geflogen).
Nachdem wir am Freitag sehr frueh angekommen waren und uns zwei Autos bei Alamo geliehen hatten, haben wir noch kurz ne Fruehstueckspause gemacht, sind dann aber gleich los, um moeglichst-wenig Zeit mit Belangenlosigkeiten wie Nahrungszunahme und Akklimatisierung zu verlieren. Zum “Master of Orientation” gekuert hiess es dann fuer mich bloss noch: Karten zuecken, kurz orientieren (da haette ich mir mehr Zeit fuer nehmen sollen) und los gehts! Zuerst einmal von der Kuestenstadt Hilo bis ins Landesinnere, zwischen den beiden riesigen, ueber 4000 Meter hohen Vulkanen Mauna Loa und Mauna Kea entlang bis nach Waimea - oder auch von Kueste, nach Dschungel, dann Dschungel mit Lavagestein, nur noch Lavagestein, dann Hochgebirge und spaeter dann endlose Savannen-aehnliche Felder und Kuhweiden; schon verrueckt, wie viele Klimazonen man innerhalb von 3 Stunden durchfahren kann. Von Waimea aus gings dann zum Waipio-Valley-Look-Out, der riesigen Kliff-Landschaft im Nord-Osten der Insel.

Ausblick auf die Kliffs von Waipio Valley

Um den Sonnenuntergang im Westen der Insel nicht zu verpassen, haben wir uns aber recht bald aufgemacht die verbleibenden Kilometer des Tages abzufahren. Naja, bis in den Westen haben wirs dann nicht mehr geschafft: wir sind auf nem Berg im Norden haengengeblieben, um dort nicht nur den Sonnenuntergang und die tolle Aussicht zu geniessen (die Chris’ Meinung sehr an Sizillien erinnert), sondern vorallem um Kirstens Geburtstag zu feiern. Den Sonnenuntergang haben wir - wie auch schon waehrend des North-Shore-Trips - wegen ner Menge Wolken, die die Sonne ziemlich verdeckten, verpasst: Spass gemacht hats trotzdem und nen tollen Ausblick hatten wir alle Male! Danach gings dann in schnellen (aber doch irgendwie zu langsamen - die Laune lies nach) Schritten nach Kailua-Kona, in das Turistennest im Westen. Dort gabs neben Speis und Trank im Hard Rock Cafe (das einzige Lokal das uns noch etwas zu spaeter Stund sevieren wollte) noch Schlaf in Patey’s Place, nettes Hostel, in dem wir zu neunt ne ganze Suit beschlagnahmt hatten. Kailua-Kona, einst Hauptstadt des Hawaiianischen Koenigreiches gewesen, ist heute so was wien Mini-Honolulu: relativ turistisch, relativ hohe Preise und relativ viel Kultur - bloss viel, viel kleiner und irgendwie niedlich.

Ich, Wei-Ting und Ruud beim (gegenseitigen) Zaehneputzen

Am naechsten morgen gings dann nach gutem Schlaf in bequemen Bett - auch wenn mit Ruud geteilt ;-) - sorgfaeltiger Pflege - wie im Bild oben zu sehen - und aufgefrischter Laune weiter Richtung Sueden. Tagesziel und (zumindest fuer mich) unbestrittener Hoehepunkt sollte dann der Besuch des Kilauea-Volcano-Park werden. Bis dahin war es aber noch ein langer Weg, der uns in das auf Lavastein-gebaute, total verschlafene und ausserdem noch letzte aller hawaiianischen Fischerdoerfer Milolii, in die hawaiianische Version des christlichen Kirchenbaus “St. Benedict’s” in Keokea und an den von Schildkroeten als Brutstaedte genutzten Schwarz-Sand-Strand von Punaluu fuehrte.
Was uns aber noch bevor stand, sollte alle noch so schoenen Erlebnisse des Tages in den einen langen, weiten Schatten stellen: die Vulkanlandschaft des Kilauea. Der Weg zum Volcano Park sollte schon andeuten, was uns bevorstuende: es war sehr bewoelkt, daher auch dunkler, sehr triste Landschaften gepraegt vom Lavagestein, wo es kaum ein Baum geschweige denn groesserer Tiere schaffen wuerden zu ueberleben. Der Park selbst bestand aus mehreren Kratern, einem Dschungel, Steppe und ganz viel Lavalandschaft - also allein schon wegen seiner Vielfaeltigkeit nen Platz den wir nicht verpassen durften.
Nun ja, jetzt komm ich so langsam in die Bredouille: was uns (vor allem) in der Kraterlandschaft erwartete, laesst sich fuer mich kaum sinnvoll beschreiben. So viel laesst sich aber sagen: ich bin aufgeregt wien Schuljunge an seinem ersten Schultag durch die Gegend gerannt, bin von Stein zu Stein gehopst, stand minutenlang verduzt und beeindruckt an Kraterraendern gestanden, habe wie wild Fotos geschosse und war einfach nur geplaettet von dem, was ich dort gesehen habe. Schon komisch, vielleicht hab ich mich da auch nur reingesteigert, aber ich war wirklich total beeindruckt. Es war wie fuer nen paar Minuten auf dem Mond zu stehen. Alles war riesig und vollkommen anders als ich es bisher kannte - Assoziationen gab es aller ehestens mit pompoesen Hollywood-Produktionen oder Lucas Arts’ genialem Spiel “The Dig”, nichts wirklich reelem. Die Krater waren riesig, deren Boeden sahen aus wie Kerzen die man aus Langerweile oder um seinen Spieltrieb zu stillen mit nem Feuerzeug komplett zum schmelzen gebracht hatte, alles nur noch Grau in Grau, Schwefelgestank lag in der Luft, an vielen Stellen konnte man Rauch aus dem Boden austreten sehen. Es war als wuerde die Erde leben und man duerfe ihr dabei auch noch zu sehen, so schrecklich sie auch roch, so haesslich sie auch war!

Ich und der Krater

Voellig platt von den vielen Eindruecken des Tages haben wir uns dann wieder vereint (den Park hatten wir in zwei Gruppen durchfahren) auf den Weg gemacht nen Schlafplatz im Osten der Insel zu finden. Nach einigen ermuedenen Diskussionen (davon hatten wir tatsaechlich einige am Wochenende) und nem spitzen Abendessen mit vielen verschiedenen Pizzen bei Pizza Hut hatten wir dann vergebens versucht auf die schnelle einen ruhigen Strand fuer uns alle zu finden, um Sterne und am naechsten Morgen den Sonnenaufgang gucken zu koennen. Am Ende des Tages hiess es dann aber fuer die meisten: wieder Schlaf im Hostel (Arnott’s Lodge in Hilo) und fuer Kirsten, Torsten und mich, Uebernachtung im Auto - wir wollten uns die Kohle fuers Hostel sparen.

Was uns dann am naechsten morgen erwartete, habe ich ja bereits geschildert: Schlafen, Sonnenaufgang, Schlafen, Erdbeben, Schlafen. War schon nen starkes Stueck von uns einfach mal so die Tragweite von nem stark-wackelnden Auto zu uebersehen. Die Tragweite - so weit ueberhaupt vorhanden - wurde uns dann aber schnell vor Augen gefuehrt: Reaktionen der Medien, der eigenen Freunde, die es wohl sehr viel intensiver miterleben durften (hatten ja keine Stossdaempfer an ihren Betten), leere, teilweise von Geroell bedeckte Strassen und Chaoswarnungen…
… hat uns alles nicht davon abhalten koennen, einfach da weiter zu machen, wo wir in der Nacht aufgehoert hatten: mit dem Reisen. Am letzten Tag auf dem Plan standen dann noch zwei der groessten ordentlich-begehbaren Wasserfaelle von Hawaii (Akaka und Kahuna Falls), nen sensationeller Helikopterflug ueber die gesamte aktive Vulkanlandschaft, samt Lava sehen und Insel beim Wachsen zusehen koennen, und der botanische Garten. Den haben wir aber leider nicht mehr erleben koennen; anstattdessen haben wir aber im Halt an einer Bruecke ueber einem Flusslauf im Dschungelgebiet gemacht, in dem der Garten liegt, sind auf den Felsen im starken Strom herumgeklettert, wurden dann auch noch mit der ueberraschenden Entdeckung eines riesigen Wasserfalls (bestimmt 20 - 25 Meter Hoehe) belohnt und sind dann in einer Spontanaktion zum kroenenden Abschluss der letzten Tage im hohen Bogen von der bestimmt 8 - 10 Meter hohen Bruecke, an der wir ja gehalten hatten, herunter ins kuehle Nass des Flusses gehopst.

Zimmerkameraden bei Freude ueber sensationelle Entdeckung!

Zu guter Letzt haben wir am Ende des unseres letzten Reisetages noch ordentlich-viel Glueck gehabt: wir konnten unseren stark verspaeteten Flug allesamt umbuchen, sind also puenktlich in Honolulu angekommen, wo uns schon unsere guten Freunde Juli und Heidi mit ihren Autos (von der Baptisten Kirche) erwartet haben, um uns durch das immer noch erdunkelte Honolulu nach Hause ins seit gerade mal einer Stunde wieder unter Strom stehende Ohia zu bringen. Neben ein paar Abweichungen von meinen wildesten Vorstellungen fuer das Wochenende, blieben mir am Ende unserer Reise - in Echt - fast nur tolle Erinnerungen und nen schnell-kommender, angenehmer und lange-andauernder Schlaf.

Posted in hawaii, road trip, earth quake, big island, volcano |
Digg! del.icio.us New!

2 Responses

  1. chief of biermarathon Says:

    wow. ich will auch.

  2. coschrei.de » Blog Archive » Endlich Monatsbeginn… Says:

    […] Gesagt, getan: hab gerade ca. 50 Bilder von meinem Big Island Trip fertig getagt und auf der einer Karte der weiten, weiten Welt markiert hochgeladen. Sollten nen paar echt knorke Exemplare dabei sein; lohnt sich also mal, ganz ruhig von vorn bis hinten, Bild fuer Bild meinen Flickr-Account zu durchstoebern! Auf der Homepage gabs auch so einige Updates. Hab letzte Woche nen paar designerischen Grobheiten verfeinerten, meine wichtigsten del.icio.us-Tags bereitgestellt und nen paar Buttons von digit.com und reddit.com aufm Blog verteilt. Wer beide Pages noch nicht kennen sollte, muss unbedingt mal die Links nachverfolgen; handelt sich um (mittlerweile sehr erfolgreiche) sogenannte “social bookmarking” Systeme, von denen es ja bereits so viele verschiendene Versionen wie Sand am Meer gibt. Nichtsdestotrotz ziemlich interessante, kleine Monster, die das Leben im WWW spannender, aber noch Zeit-intensiver (ja, das geht) machen. […]

Leave a Reply